RAPHAELA GROMES

19.09.2019

Traunstein, Kunstraum Klosterkirche

mit Julian Riem und dem Arcis Saxophon Quartett

Werke von Camille Saint-Saens, Claude Debussy, Maurice Ravel, Leonard Bernstein, George Gershwin

08.09.2019

Malgarten, Klosterkonzerte

mit Julian Riem

Werke von Richard Strauss, Felix Mendelssohn Bartholdy, Jacques Offenbach

06.10.2019

"Schubertiade" - Hohenems, Markus-Sittikus-Saal

mit Sergej Malov, Andreas Groethuysen & Yaara Tal

Werke von Franz Schubert

17.10.2019

Neuburg, Kongregationssaal

mit Julian Riem und Wen-Sinn Yang

Werke von Zoltán Kodály, Felix Mendelssohn Batholdy, Jacques Offenbach, Leone Sinigaglia, Alfredo Carlo Piatti

25.10.2019

Monheim, Aula am Berliner Ring

mit Festival Strings Lucerne

Werke von Ottorino Respighi, Gioacchino Rossini, Jacques Offenbach, Pjotr Iljitsch Tschaikowski 

26.10.2019

Hamm, Kurhaus Bad Hamm

mit Festival Strings Lucerne

Werke von Ottorino Respighi, Gioacchino Rossini, Jacques Offenbach, Pjotr Iljitsch Tschaikowski

02.11.2019

Deutschlandsberg

mit Julian Riem

Werke von Felix Mendelssohn Batholdy, Jacques Offenbach

03.11.2019

A - Mürzzuschlag, Brahms-Museum

mit Julian Riem und Reinhard Latzko

Werke von Felix Mendelssohn Batholdy, Jacques Offenbach

06.11.2019

A - Wien, Konzerthaus

mit Julian Riem

Werke von Felix Mendelssohn Batholdy, Jacques Offenbach

10.11.2019

Bielefeld, Sennestadthaus

mit Julian Riem

Werke von Jacques Offenbach, Felix Mendelssohn Batholdy, Claude Debussy

13.11.2019

Reichenbach, Neuberinhaus

mit der Vogtland Philharmonie

Werke von Julius Klengel

15.11.2019

Greiz, Vogtlandhalle

mit der Vogtland Philharmonie

Werke von Julius Klengel

22.11.2019

Oldenburg, Alter Landtag

mit Julian Riem

Werke von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Claude Debussy, Felix Mendelssohn Bartholdy

25.11.2019

Ansbach, Theater Ansbach

mit Julian Riem

Werke von Jacques Offenbach, Ludwig van Beethoven, Felix Mendelssohn Bartholdy

26.11.2019

Bamberg, Musikverein Bamberg

mit Julian Riem

Werke von Jacques Offenbach, Ludwig van Beethoven, Felix Mendelssohn Bartholdy

19.12.2019

Kaiserslautern, SWR Studio, Emmerich-Smola-Saal

mit der Deutschen Radio Philharmonie

Werke von Julius Klengel

20.12.2019

Saarbrücken, Saarländischer Rundfunk, Funkhaus Halberg

mit der Deutschen Radio Philharmonie

Werke von Julius Klengel

31.12.2019

Dresden, Kulturpalast

mit der Dresdner Philharmonie

Werke von Johann Strauss, Jacques Offenbach, Aram Chatschaturjan, Gioacchino Rossini, Georges Bizet

01.01.2020

Dresden, Kulturpalast

mit der Dresdner Philharmonie

Werke von Johann Strauss, Jacques Offenbach, Aram Chatschaturjan, Gioacchino Rossini, Georges Bizet

08.03.2020

München, Prinzregententheater

mit dem Münchener Kammerorchester

Werke von Ottorino Respighi, Gioacchino Rossini, Jacques Offenbach, Pjotr Iljitsch Tschaikowski

RAPHAELA GROMES

„Offenbach“

 

 

 

Als Vater der komischen Oper wurde Jacques Offenbach unsterblich. Zu seinem 200. Geburtstag zelebriert die junge Starcellistin RAPHAELA GROMES den genialen Komponisten und Cello-Virtuosen mit Neuaufnahmen seiner schönsten und kunstvollsten Werke aber auch noch nie aufgenommener Stücke: Das neue Album der Künstlerin, „Offenbach“, erscheint am 10. Mai über SONY Classical. Darauf lässt RAPHAELA GROMES bei den Salonwerken für Cello und Klavier ganz in der Tradition Offenbachs ihr Instrument singen und vor guter Laune sprühen, berührt aber auch tief mit ergreifenden Melodien und überrascht mit schwindelerregend temporeicher Virtuosität.

 

Dem legendären Musiker und Komponisten ein Album zu widmen, plant RAPHAELA GROMES seit ihrer zweijährigen Recherche für ihre „Hommage à Rossini“, mit der sie im vergangenen Jahr die Top 10 der Klassik-Charts eroberte. Bei der damaligen Jagd nach den Noten für die darauf enthaltene von Jacques Offenbach komponierten Ersteinspielung stieß die Virtuosin auf eine ganze Reihe wunderschöner Charakterstücke, „sehr viele Kammermusikwerke von Offenbach, die ich vorher gar nicht kannte, weil sie kaum gespielt werden.“ Ein Umstand, den Raphaela Gromes sofort ändern wollte, denn eines war klar: Diese Werke voller Witz und Charme wie der „Valse“, melancholische Piècen wie „Les Larmes de Jacqueline“ aber auch Werke, die die besten Virtuosen ins Schwitzen bringen wie der „Danse Bohemienne“ mussten zurück ins verdiente Rampenlicht! Damit füllt die SONY-Classical-Exklusivkünstlerin auch eine diskographische Lücke, denn die letzte größere Einspielung von Offenbach-Stücken für Cello und Klavier liegt tatsächlich fast 40 Jahre zurück.

 

Das Herzstück des Albums ist für RAPHAELA GROMES aber die "Rêverie au bord de la mer" (zu Deutsch: „Träumerei am Meeresufer“), ein Lied „so sehnsüchtig, zart, subtil und voller inniger Liebeserklärungen, aber auch Zeuge der inneren Zerrissenheit eines Menschen, der ständig eine Heimat suchte, aber nie fand“, wie die Künstlerin erklärt. „Das Stück berührt mich zutiefst, denn es zeichnet ein sehr intimes, emotionales Bild des leider immer noch hochaktuellen Themas von vertriebenen, heimatlosen und entwurzelten Menschen.“ Erst im März besuchte RAPHAELA GROMES als musikalischer Botschafter das SOS-Kinderdorf Sferei in der Nähe von Beirut und erfuhr dort aus erster Hand wie heilsam Musik sein kann. In einem mehrtägigen Workshop und anschließenden Abschlusskonzert arbeitete die Künstlerin auch mit vielen syrischen Flüchtlingen.

 

Wie sehr das Pendel bei dem Komponisten aber auch in die andere Richtung  ausschlagen konnte, beweist Offenbachs rasante „Tarantelle“, ein zuvor nie aufgenommenes Stück. Wie schon bei ihrer „Hommage à Rossini“ hat RAPHAELA GROMES auch für „Offenbach“ erneut einen verschollenen Schatz ausgehoben und eine Weltersteinspielung vorgelegt, die es in sich hat: „Die ‚Tarantelle‘ veranschaulicht wie kein anderes Stück, dass Offenbach selbst ein fantastischer Cellist gewesen sein muss, ganz zurecht auch ‚Liszt des Cellos‘ genannt. Es ist rasend schnell und so hoch, dass man es wohl besser auf der Geige als auf dem Cello spielen könnte. Es geht definitiv an die Grenzen des machbaren und noch über diese Grenzen hinaus! Beim Spielen fühlt man sich tatsächlich wie von der Tarantel gestochen: getrieben, völlig manisch, Augen zu und durch, und nicht mit dem Spielen aufhören, denn Stillstand und Nachdenken sind tödlich.“ Mit ihrer meisterhaften Interpretation beweist Raphaela Gromes einmal mehr, dass sie mit ihrem Spiel längst auf Offenbachs Pfaden wandert und sich vor den großen Fußstapfen des Meisters nicht zu fürchten braucht.

 

Als besondere Zugabe endet das Album mit einem von Offenbachs populärsten Stücken, der „Barcarolle“, in einem Arrangement für zwei Celli und Klavier von Julian Riem. Für das Musikvideo zu dem ebenfalls mit Wen-Sinn Yang und Julian Riem eingespielten Bonustrack ließ sich RAPHAELA GROMES von Offenbachs literarischem Vorbild inspirieren: E.T.A. Hoffmann. „In der Oper ‚Contes de Hoffmann‘ fühlt sich Hoffmann bei der ‚Barcarolle‘ sehr einsam und verloren und sucht seine Flucht im Alkohol, da er an die Liebe längst nicht mehr glaubt. Diese Einsamkeit und das Düstere und Geheimnisvolle, das allen Erzählungen von Hoffmann zugrunde liegt, haben wir nun als Setting für unser Musikvideo genommen.“ Das Musikvideo erscheint am 3. Mai.

 

Seit frühester Kindheit begleitet Jacques Offenbach RAPHAELA GROMES bereits: Mit seinen Lehrbänden "Cours Methodique" machte die Künstlerin als damals 4-jährige ihre ersten Schritte am Cello und entdeckte so ihre große Liebe für das Instrument. Dass sie nun das letzte Stück der Bände gemeinsam mit ihrem renommierten Professor und Mentor Wen-Sinn Yang eingespielt hat, ist für RAPHAELA GROMES ein „Ritterschlag, quasi von Offenback persönlich“. Denn das letzte Stück des 6. Bandes namens „Sehr schwierige Duos für Künstler“, op. 54, Nr. 3 in E-Dur, ist das anspruchsvollste, kapriolenhafteste der Reihe und war nur für die talentiertesten Meisterschüler gedacht, die damit sozusagen Offenbachs Siegel als Virtuosen erhielten. Von der Presse wird RAPHAELA GROMES bereits als „versierte und vor allem technisch annähernd vollkommene Cellistin“ (Süddeutsche Zeitung) gefeiert.

 

RAPHAELA GROMES‘ viertes Album, „Offenbach“, erscheint am 10. Mai bei SONY Classical und ist eine Ko-Produktion mit BR Klassik. Das Album ist bereits vorbestellbar.

 

 

 

 

„… am Cello singen“

Interview mit Raphaela Gromes

 

Wie kommt man auf die Idee, rein instrumentale Musik von einem Komponisten wie Rossini aufzunehmen, von dem man ausschließlich Vokalmusik kennt?

Also: Ich spiele ja seit sechs Jahren mit meinem Pianisten Julian Riem zusammen, und wir haben tatsächlich schon lange sehr viele Stücke über Themen von Rossini im Repertoire, so dass die Idee schon relativ früh aufkam, einmal ein reines Rossini-Programm zusammenzustellen. Es haben sich so viele Komponisten von Rossini inspirieren lassen, auf unterschiedlichste Weise. Schon letztes Jahr – zu Rossinis 225. Geburtstag – hatten wir ein kleines Rossini-Jubiläumsprogramm, nur für Cello und Klavier.

 

Die aktuelle CD ist also die Nachfolgerin dieses Programms?

Im Grunde ja. Im ursprünglichen Programm war „Une larme“ von Rossini selbst schon dabei, aber auch das Stück von Martinu oder die „Figaro“-Variationen von Mario Castelnuovo-Tedesco, die wir für unsere erste CD bei Sony aufgenommen haben.

 

Das heißt, die Zusammenstellung des Programms der aktuellen CD folgt einfach Ihrer persönlichen Leidenschaft für diese Stücke?

Ursprünglich. Ich dachte mir, ich liebe Rossinis Musik ohnehin, ich finde, die bringt ungeheuer viel Licht ins Leben. Rossinis Musik hat mir auch in schweren Zeiten unglaublich viel Hoffnung und Freude gegeben. Es hat sich also angeboten, zu Rossis 150. Todestag eine „Hommage“ an ihn einzuspielen, sozusagen als Dank an ihn und um die Freude weiterzugeben, die mir seine Musik bereitet. Dann fing ich an zu recherchieren. Wir hatten Stücke für Cello und Klavier, die wunderschön sind, eines davon hatten wir aber ohnehin schon aufgenommen – wir brauchten also mehr. Dann bin ich auf einige Stücke für Orchester gestoßen, und, was ich den besten Witz fand, eine „Hommage a Rossini“ von Jacques Offenbach. So wollte ich ja eh meine CD nennen. Da dachte ich mir, dieses Stück schaue ich mir jetzt mal an. Nur: Im Internet habe ich dazu nichts gefunden.

 

Woher wussten Sie überhaupt von seiner Existenz?

Da gibt es ein dickes Buch namens „Cello Compagnion“, in dem sind auf gefühlt zehntausend Seiten alle Werke aufgelistet, die je für Cello geschrieben wurden.

 

Sehen Sie, analog ist doch besser als digital.

Das ist der Wahnsinn, ja. Vieles von dem, was in diesem Buch steht, findet man nicht im Internet. Dann rief ich die Rossini-Gesellschaft an und fragte, ob die etwas von diesem Stück wüssten. Wussten sie nicht. Aber die haben mich an die Offenbach-Gesellschaft verwiesen. Die wussten von dem Stück, sagten aber, sie hätten keine Noten davon, gaben mir aber Tipps, wo ich weiter recherchieren könnte. Ich stürzte mich in die Suche, stieß auf den Offenbach-Spezialisten Jean-Christophe Keck, der sich persönlich zu verschiedenen Familienmitgliedern Offenbachs aufmachte, bei denen er jeweils Teile des Manuskripts fand. Das Hauptmanuskript ist aber verschollen, denn es lagerte im Kölner Stadtarchiv und ging mit diesem 2009 verschütt. Schließlich aber hatten wir alles beisammen. Bei dieser Suche habe ich noch ganz andere Stücke gefunden, bei denen Rossini als Inspirationsquelle diente. Die habe ich mir alle angeschaut – und so kam dann diese Auswahl an Stücken zusammen, die es sein mussten.

 

Als Sie Offenbachs „Hommage“ endlich beisammen hatten, dachten Sie sich da: Ja, die Suche hat sich gelohnt – oder waren Sie enttäuscht, aber nach der ganzen Mühe nahmen Sie es dennoch auf?

Die Mühe hat sich definitiv gelohnt! Tatsächlich war ich begeistert, dass Offenbach hier die Themen vom „Barbier“ und „Wilhelm Tell“ zitiert, die ja sehr bekannt sind und die ich auch sehr liebe. Es ist sehr schön, dass er mich so am Cello singen lässt, was man sonst nur als Sänger singen darf. Das war eine große Freude, weil ich als Kind immer Opernsängerin werden wollte. Ich war als Kind sehr häufig hier in München in der Staatsoper, meine Mutter hat mich immer mitgenommen. Mein Traum war, selbst einmal da oben zu stehen und diese Rollen zu verkörpern.

 

„Auf den Autofahrten hat er auf dem Lenkrad die Partituren studiert“

 

Hören Sie beim Spielen dieser Stücke den Gesang mit, wenn die entsprechenden Themen kommen?

Ja. Wir hatten für die Aufnahme auch einen ganz tollen Dirigenten, Enrico Delamboye. Ursprünglich war für die Aufnahme ein italienischer Dirigent geplant gewesen, den ich aber nie kennengelernt habe, weil er zwei Tage vor der Aufnahme krank wurde. Alles war geplant, ich freute mich darauf, eine wunderbare CD zu machen, dann liegt der mit Fieber im Bett. Der WDR sagte, sie könnten in den nächsten eineinhalb Jahren keinen neuen Aufnahmetermin anbieten, ihr müsst das jetzt machen, sonst wird’s zum Rossini-Jubiläum nicht fertig. Dann sprang Enrico Delamboye ein, hatte aber fast nur vormittags Zeit, weil er mittags und abends andere Termine hatte. Was dann kam, ist ein bisschen kriminell. Auf den Autofahrten zum Studio hat er die Partituren studiert. Also er ist gefahren, und hatte auf dem Lenkrad die Noten liegen.

 

Sie sind mitgefahren?

Nein, das zum Glück nicht, aber seine Erzählungen haben sich sehr authentisch angehört. Delamboye ist Operndirigent. Und er kannte sämtliche Zitate so auswendig, dass er bei diesen rein instrumentalen Stücken den Text mitsang. Oder vor der Aufnahme vorsang, damit sie dann die richtige Intonation haben.

 

Schade, dass man seinen Gesang auf der Aufnahme nicht hört.

Unsere instrumentale Herangehensweise ist natürlich sehr vom Gesang geprägt. Ich habe vorher auch mit Juliane Banse, Daphne Evangelatos und Brigitte Fassbaender an den Liedern und Arien, die direkt vom Gesang abgeleitet sind, gearbeitet. Also Unterricht gehabt. Ich bin zu diesen Sängerinnen gegangen und habe gefragt: Darf ich euch mal was vorspielen?

 

Sind Sie eine Streberin?

In der Schule hatte ich den Ruf.

 

Man konnte auch lesen, Sie haben ein 1,0 Abitur.

Ach, findet man das noch im Internet? Ja, es stimmt.

 

„Es ging es nie um die Frage, kann man mit dieser CD Geld verdienen“

 

Trotz Üben?

Ich kann sehr fokussiert arbeiten. Ich setze Prioritäten. Für eine Woche, einen Tag, eine Stunde – und dann ziehe ich das durch.

 

Halten Sie es deswegen auch in einem Tonstudio aus, trotz Ihres Temperaments?

Heißt das, Sie waren mal im Studio und haben es nicht ausgehalten?

 

Äh, ich dachte eher an das Wiederholen bestimmter Stellen, wenn etwas nicht ganz genau geklappt hat. Spielen Sie dann ein Stück 20 Mal und werden nicht verrückt?

Tatsächlich hatten wir bei der Aufnahme mit Orchester sehr wenig Zeit – aber dadurch wurde es dann eine recht schnelle, frische Aufnahme.

 

Das hört man. Die CD klingt eben nicht zu Tode poliert, sondern lebendig. Manchmal ist man verblüfft, dass am Ende eines Stücks kein Applaus kommt, weil man davor den Eindruck hat, es müsste eine Live-Aufnahme sein.

Wir haben es auch im ganzen Team versucht aufrecht zu erhalten, dass wir vom Durchspielen ausgehen. Es gibt ja auch Aufnahmen, bei denen man unendlich ins Detail geht und fieselt, das haben wir nur selten gemacht. Wir wollten den großen Bogen mitnehmen. Es sind tatsächlich Stücke dabei, die wir nach drei Takes hatten.

 

Und Sony kaufte euch den Plan umstandslos ab, eine CD mit mehrheitlich eher unbekannten Stücken zu füllen?

Sämtliche Vorurteile, die ich bezüglich Major-Plattenfirmen hatte, wurden mir mit dem Kontakt zu Sony ausgetrieben. Ich habe denen meine Vorschläge gemacht, und die sagten: super, machen wir so. Nie bekam ich etwas vorgeschrieben. Es ist auch ein gemeinsames Suchen und Finden. Und dabei ging es nie um die Frage, kann man mit dieser CD Geld verdienen, kauft die jemand? Schon bei der ersten CD fühlte ich mich sehr unterstützt. Und auf der kennt man nicht einmal die Namen der meisten Komponisten. Da habe sogar ich mich gewundert. Und eines wollte ich noch zu den Aufnahmen, gerade denen nur mit meinem Klavierpartner Julian Riem sagen: Anders als bei einem Konzert, wo alles frei im Fluss ist, kann man bei einer CD-Produktion schon mal alles bis ins Detail polieren und festlegen – man muss sich dabei ja auf eine Interpretation beschränken, die festgehalten werden soll. Manchmal gibt es auch die Situation, dass jeder plötzlich noch eine andere Idee oder einen neuen Zugang hat, es kommen immer wieder auch Ideen vom Tonmeister. Dann probiert man Vieles aus – das hat schon seinen Reiz. Manchmal ist es ein Ringen um das Ergebnis, das man dann ja auch festhält.

 

„Das Cello ist die Stimme, mit der ich mich ausdrücken will. Und kann.“

 

Würden Sie dementsprechend nicht manchmal gern mit dem Publikum reden – und dann ein Stück noch einmal spielen?

Vielleicht nicht so direkt. Aber wenn ich jemand, dessen Meinung ich ernst nehme, etwas über mich schreibt, dann lese ich mir das schon durch und denke mir: Aha, so kam das an! Dann überlege ich vielleicht, ob ich es wieder so mache oder anders. Das Musikerleben ist ein Prozess für mich. Es ist ein Gespräch.

 

Das setzt aber voraus, dass der, der über Sie schreibt, richtig gehört hat.

Ich glaube, es gibt kein Richtig oder Falsch. Jeder hört anders, persönlich. Jede persönliche Meinung von einem Menschen, der die Musik gehört hat und sich vielleicht von ihr berühren ließ, finde ich spannend. Ich mag das gerne, mich nach dem Konzert mit dem Publikum zu unterhalten.

 

Ist das mit ein Grund, weshalb Ihnen schon sehr früh klar war, dass Sie Solistin werden wollen?

Ich glaub schon, tatsächlich. Es war mir immer sehr wichtig, selbst gestalten zu können und diesen Prozess nie aufzuhören.

 

Und wann hatten Sie das Gefühl, das klappt mit der Solokarriere?

Das ist jeden Tag anders. Es gibt immer wieder Tage, an denen man zweifelt und ringt. Aber: Mit 14 fing ich ja an mit dem Jungstudium bei Peter Bruns in Leipzig. Das war schon mit dem Wunsch verbunden, nicht

mehr Sängerin zu werden, sondern Cellistin, weil ich erkannt hatte, dass das Cello die Stimme ist, mit der ich mich ausdrücken will. Und kann.

 

War damals schon das Ziel die Solokarriere?

Nein. Das Ziel war und ist, die Musik, die ich gerade spiele, immer auf den Punkt bringen zu können. Mit allen technischen Fähigkeiten, die natürlich Voraussetzung sind. Mit 14 musste ich da natürlich noch was lernen. Es geht darum, dem Komponisten gerecht zu werden, die Noten so zu spielen, dass sie der geistigen Idee des Komponisten am nächsten kommen. Das Schaffen des Komponisten als einen Prozess zu verstehen, den man zu Ende bringen muss, indem man den Notentext in Musik umwandelt. Und das Ganze dann noch mit eigenen Ideen und Emotionen so aufzuladen, dass sie das Publikum erreichen. Das war immer die Idee, es ging nicht um Solokarriere oder nicht. Aber natürlich kann man, wenn man solistisch spielt, viel mehr selbst gestalten und an die Intention des Komponisten denken, als wenn man im Orchester spielt. Weil da nämlich der Dirigent denkt.

 

Aber die Intention des Komponisten ist doch meist auch ein bisschen eine Annahme.

Darum geht’s. Wenn da drüber allegro vivace steht, was heißt das für mich im Vergleich zu einem allegro moderato? Beispielsweise. Dann geht man durch den Text und übersetzt den in einem gewissen Sinne, indem man den persönlichen Stil und die Ausdrucksweise des Komponisten berücksichtigt. Dabei muss man beachten, dass jeder Komponist aus seiner Zeit heraus gesehen werden muss. Ich schaue mir dann immer noch die Zeitgeschichte an, seine Vorbilder, sein anderes Werk. Ja, ich bin eine Streberin, okay. Aber auch als Musiker kann man ja nur aus seinem eigenen Horizont heraus verstehen und musizieren, daher sehe ich es als meine Aufgabe, meine Vorurteile ständig zu hinterfragen und meinen Horizont zu erweitern. Und wenn ich dann alles zusammen habe und das Gefühl, so kann es sein, versuche ich alles wieder im Moment des Konzertauftritts zu vergessen, die Gedanken und den Ballast hinter mir zu lassen und nur im Augenblick zu sein. Im Idealfall gibt es dann diesen Flow-Moment, in dem man aufhört zu denken und nur noch spielt, ja sogar „gespielt wird“. Das ist das größte Geschenk.

 

 

Kurzbiografie

 

1991 geboren, beginnt Raphaela Gromes bereits mit vier Jahren mit dem Cellospiel. Mit sieben schnuppert sie als Zugabe des Konzerts ihrer Eltern – beide ebenfalls Cellisten – erstmals Bühnenluft. Der erste Auftritt als Solistin folgte im Herbst 2005 mit dem Cellokonzert von Friedrich Gulda, wofür sie von Publikum und Presse überschwänglich gelobt wurde. Als Jungstudentin begann sie ihr Studium mit 14 an der Mendelssohn-Bartholdy-Hochschule in Leipzig bei Peter Bruns und setzte es 2010 bei Wen-Sinn Yang an der Musikhochschule in München und später bei Reinhard Latzko an der Universität für Musik und darstellende Kunts Wien fort. Wichtige musikalische Anregungen erhielt sie außerdem auf Meisterkursen bei namhaften Cellisten wie David Geringas, Yo-Yo Ma, Frans Helmerson, Natalia Gutman, Jens Peter Maintz, László Fenyö, Daniel Müller-Schott, Kristin von der Goltz, Wolfgang Boettcher, Anner Bylsma und Wolfgang Emanuel Schmid.

Im letzten Jahr debütierte Raphaela Gromes bei namhaften Festspielen wie dem Schleswig-Holstein Musikfestival, den Ludwigsburger Schlossfestspielen, dem Rheingau Musikfestival und den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern und war in der Tonhalle Zürich, dem Concertgebouw Amsterdam, in der Laeiszhalle Hamburg, im Konzerthaus Berlin und im Konzerthaus Wien zu Gast. Im Frühjahr 2018 gab sie ihr Orchesterdebüt in den USA beim Fort Worth Symphony Orchestra unter der Leitung von Miguel Harth-Bedoya.

Ihr wurden zudem bereits einige Cellokonzerte gewidmet: So kam 2012 ein Cellokonzert von Dominik Giesriegl zur Uraufführung. 2013 folgte die Uraufführung des Cellokonzertes von Valentin Bachmann mit dem Philharmonischen Orchester Budweis unter der Leitung von David Svec. Die dritte Weltpremiere, das für Raphaela Gromes und Cécile Grüebler 2014 von Mario Bürki geschriebene Doppelkonzert „Chroma“, brachte die junge Cellistin mit dem Schweizer Militärorchester zusammen. Weitere Konzerte erfolgten mit Kent Nagano und der Tschechischen Philharmonie sowie Christoph Altstaedt und dem Beethoven-Orchester Bonn. Raphaela Gromes war zudem zu Gast bei dem Jungfrau Music Festival Interlaken, dem Vorsprung Festival der Audi Sommerkonzerte in Ingolstadt mit Kent Nagano, den Münchner Opernfestspielen, dem Marvao International Music Festival, den Mondsee Musiktagen und dem Edinburgh International Festival.

Raphaela Gromes wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: 2011 gewann sie den Musikförderpreis des Konzertvereins Ingolstadt, 2012 den 1. Preis des Richard-Strauss-Wettbewerbs. Ebenfalls seit 2012 ist sie Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes und wird von Yehudi Menuhin Live Music Now gefördert. Darüber hinaus erhielt sie das Stipendium der Hans und Eugenia Jütting Stiftung Stendal. 2014 wurde sie Preisträgerin des Förderpreises der Theodor-Rogler-Stiftung Bad Reichenhall, gemeinsam mit ihrer Celloduopartnerin Cécile Grüebler. 2016 erhielt sie den Preis des Deutschen Musikwettbewerbs in der Kategorie Cello solo und wurde vom Deutschen Musikrat in die Bundesauswahl Junger Solisten aufgenommen. Unter ihren Auszeichnungen finden sich außerdem der 1. Preis des Kulturkreis-Gasteig-Wettbewerbs in den Jahren 2012 und 2016 sowie der 1. Preis des internationalen Concorso Fiorindo Turin 2013.

Sie spielt ein Violoncello von Jean-Baptiste Vuillaume aus den Jahren um 1855, das ihr aus privater Hand zur Verfügung gestellt wird.

 

 

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